Jura-Studium schlägt auf die Gesundheit

Ein Beitrag im jetzt-Magazin beschreibt, wie Jura-Studenten auf dem Weg zum 1. Staatsexamen noch schlimmer als früher an ihre geistigen wie körperlichen Grenzen geraten. Weil der Stoff so massig, die Zahl der Fehlversuche so begrenzt und die Bedeutung des Abschneidens mit einem "vollbefriedigend" für die weitere Laufbahn so wichtig ist, setzen sich, so beobachten Hochschulpsychologen, Jura-Studenten zunehmend unter einen immensen Druck.

Dabei konnten nur 15,5 Prozent der 12.000 Prüflinge 2010 solch ein Prädikatsexamen erzielen. Dafür ist fast jeder dritte Examenskandidat beim ersten Mal durchgefallen. Keine guten Voraussetzungen für ein befreites Lernen, das sich über 18 Monate erstreckt. Stattdessen lernen die Jungjuristen immer öfter ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit monatelang ohne ausreichende Pausen, ohne Freizeit, ohne soziale Kontakte. Nach Aussagen von Psychologen hätten viele mittlerweile ein solch hohes Leistungsideal für sich verinnerlicht, dass es weder Kopf noch Körper überhaupt durchhalten könnten. Als Ventil entwickeln deshalb wohl immer mehr massives Lampenfieber und Prüfungsangst, schlafen schlecht, haben keinen Appetit mehr und magern ab - was das Lernen naturgemäß noch schwerer macht. Ein Teufelskreis, den einige mit kiffen, koksen oder Koffeintabletten durchbrechen wollen. Auch wenn die Psychologen keine wirkliche Lösung dafür haben, wie sich das Staatsexamen besser stemmen lässt, plädieren sie zumindest dafür, dass sich Studierende selbst nicht zu viel Erfolgsdruck machen und zu perfekt sein wollen. Mehr als sechs Stunden Lernen pro Tag würden Kopf und Körper ohnehin nicht verkraften. Mehr Lernen hilft in diesem Fall nicht mehr.

(07.05.2012) Quelle: Süddeutsche

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